Bonus Card Classic im Test: CHF 48 Jahresgebühr, ein Bonuspunkt mit fremdem Kurs und Note 2.7, weil Schutz und Vertrauen fehlen
Bonus Card Classic: günstig beim Herausgeber, teuer beim Vertrauen
Wer sie sucht, sucht meist das billigste Ticket in die BonusCard-Familie, und genau das ist die Classic: 48 Franken im Jahr für eine Visa, die auf praktisch jedem Einkauf einen Bonuspunkt gutschreibt. Der Preis stimmt, das Bonusprogramm ist real, und beides allein würde für eine solide Note reichen. Was die Classic zurückwirft, sind zwei Dinge: Erstens fehlt jede Versicherung, nicht als Basisleistung und nicht einmal gegen Aufpreis, anders als bei so mancher Konkurrentin in derselben Preisklasse. Zweitens steht die Herausgeberin BonusCard.ch, eine Marke der Cornèr Bank AG, im Netz denkbar schlecht da: Trustpilot 1.7 von 5, und eine der wenigen greifbaren Kundenstimmen beschreibt eine Kündigung, die zehn Anläufe brauchte. Grundlage dieses Tests: die Produktseite bonuscard.ch (Stand 17. Juli 2026), das Blatt «Preise, Zinsen und Gebühren» (Ausgabe 01.2026), beide Übersichtsseiten zu Versicherungen und sechs Forenstimmen. Das Ergebnis: Note 2.7, eine Karte, die ihren tiefen Preis hält, aber weder beim Schutz noch beim Vertrauen etwas dagegenzusetzen hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Jahresgebühr beträgt CHF 48 für die Hauptkarte und CHF 24 für eine Zusatzkarte, eine der tiefsten Gebühren unter den kostenpflichtigen Karten in unserem Vergleich und die günstigste Stufe im eigenen Bonus-Card-Trio (Gold CHF 144, Exclusive CHF 216).
- Das Bonusprogramm gibt 1 Punkt pro CHF 5 Umsatz, praktisch auf den gesamten Karteneinsatz, einlösbar bei über 100 Partnern (Geschenkgutscheine, Flugmeilen, Spenden, Kontogutschrift). MyCountry verdoppelt die Punkte im Ausland.
- Einen Frankenkurs pro Punkt nennt kein eigenes Preisblatt. Nur eine Drittquelle, moneyland.ch, beziffert die Kontogutschrift auf 100 Punkte gleich CHF 0.50. Beim Referenzbudget dieser Seite, 2’000 Franken Kartenumsatz im Monat, sammelst du so rund CHF 24 gutgeschriebenes Geld im Jahr, ein Minus von rund CHF 24 gegenüber der CHF 48 Jahresgebühr. Dein eigenes Niveau rechnest du im Rechner weiter unten gegen.
- Fremdwährungskäufe kosten 2 Prozent, ein Bargeldbezug 4 Prozent (mindestens CHF 10 am Automaten, CHF 15 am Schalter). Bei Teilzahlung fallen 12 Prozent Jahreszins an, der gesetzliche Höchstsatz; für einzelne Käufe gibt es zusätzlich eine separate Ratenzahlungsoption zu 10.9 Prozent.
- Eine Reiseversicherung und ein Kaufschutz fehlen vollständig, auch nicht als kostenpflichtiges Zusatzprodukt; die Schutznote liegt bei 1.2, dem Niveau eines Kartenproduktes ganz ohne Versicherung.
- BonusCard.ch steht auf Trustpilot bei 1.7 von 5 (55 Bewertungen), die App MyOnlineServices im App Store bei 2.82; zusammen die tiefste Stimmen-Note in unserem gesamten Vergleich, geteilt mit den übrigen BonusCard-Karten.
Kartendaten
- Jahresgebühr
- CHF 48CHF 48/Jahr Hauptkarte, CHF 24 Zusatzkarte.
- Vorteile
- CHF 5 = 1 Bonuspunkt, einlösbar bei über 100 Partnern (Geschenkkarten, Zuwendungen, Flugmeilen, Kontogutschrift). Die MyCountry-Funktion verdoppelt die Punkte im Ausland.Keine Obergrenze angegeben
- Fremdwährungsgebühr
- 2.00%
- Zins
- 12.00%Max. Jahreszins gemäss der vom EJPD festgelegten Obergrenze des Konsumkreditgesetzes, gleich für alle BonusCard-Karten. Zahlungsfrist Monatsauszug: 25 Tage (Zahlungsfrist ab Rechnungsdatum, NICHT zinsfreie Tage ab Kauf, die Quelle gibt Letzteres nicht an). Zusätzlich ist eine Ratenzahlung für einzelne Einkäufe (Buy Now Pay Later) zu 10,9% Jahreszins möglich.
- Zinsfreie Tage
- Vom Herausgeber nicht veröffentlicht
- Bargeldbezug
- 4%, mind. CHF 10Bargeldbezug am Geldausgabeautomaten kostet 4%, mindestens CHF 10; am Bankschalter 4%, mindestens CHF 15. Lotto-, Wett- und Casinoumsätze gelten ebenfalls als Bargeldbezug. Quelle: Leistungsübersicht Preise, Zinsen und Gebühren der BonusCard (Ausgabe 01.2026), Spalte «Bonus Card Classic».
- Reiseversicherung
- Nicht enthaltenNicht standardmässig enthalten. Die Seite erwähnt generell "praktische Versicherungen", aber im Produkttext wurde keine Reiseversicherung bestätigt.
- Zahlungsnetzwerk
- Visa
- Voraussetzungen
- Nicht veröffentlicht.
Was dir die Karte bei deinem Ausgabenniveau zurückgibt
Zieh am Regler und stell die Bonus Card Classic neben die TCS Travel Mastercard Gold. Dieselbe Rechnung wie auf der Startseite: Bonuswert minus Jahresgebühr, aus den Kartendaten. Die Rückvergütung ist nicht die Note: dort wiegen auch Schutz und Kosten mit.
Berechnet als Vorteil minus Jahresgebühr, bei monatlich vollständig beglichener Rechnung.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- Keine versteckten Zusatzkosten bei Vollzahlung: Jahresgebühr CHF 48 (Hauptkarte), CHF 24 (Zusatzkarte).
- Bonusprogramm auf praktisch jeden Einkauf: CHF 5 Umsatz ergeben 1 Bonuspunkt, einlösbar bei über 100 Partnern (Geschenkkarten, Flugmeilen, Spenden, Kontogutschrift); MyCountry verdoppelt die Punkte im Ausland.
- Ein Teil der Bonuspunkte lässt sich als Kontogutschrift auf das Kartenkonto einlösen (100 Punkte = CHF 0.50), unabhängig von einem einzelnen Partner.
- Ein Forumbeitrag auf moneyland.ch bestätigt die drei geltenden Jahresgebühren (Classic CHF 48, Gold CHF 144, Exclusive CHF 216) unabhängig und deckungsgleich mit dem Preisblatt.
- Weltweit einsetzbare Visa-Karte mit Teilzahlungsoption und Kartensperrservice bei Diebstahl oder Verlust.
Nachteile
- Keine Reiseversicherung: weder eine Annullierungs- noch eine Reiseunterbruchversicherung ist enthalten, anders als bei den Schwesterkarten Gold und Exclusive.
- Bargeldbezug kostet 4 Prozent, mindestens CHF 10 am Automaten oder CHF 15 am Bankschalter.
- Teilzahlungs- und Verzugszins liegt bei 12 Prozent nominal, dem gesetzlichen Höchstsatz; zusätzlich existiert eine Ratenzahlungsoption (Buy Now Pay Later) zu 10.9 Prozent Jahreszins für einzelne Einkäufe.
- Den Frankenwert der Bonuspunkte nennt kein offizielles Preisblatt; die Kontogutschrift-Rate von CHF 0.005 pro Punkt stammt ausschliesslich von moneyland.ch.
- Trustpilot bewertet die Herausgeberin BonusCard.ch mit nur 1.7 von 5 Sternen (55 Bewertungen); ein Forumnutzer berichtet von zehn Beschwerden bis zur erfolgreichen Kündigung der Karte.
- Die Herausgeberin verschickte 2021 ein anderes eigenes Kartenprodukt, eine Mitgliederkarte für den Schweizer Schiesssportverband, im Opt-out- statt Opt-in-Verfahren an lizenzierte Mitglieder; das betrifft nicht die Vertragsbedingungen der Bonus Card Classic selbst, zeigt aber die Geschäftspraxis der Herausgeberin BonusCard.ch/Cornèr Bank.
Das Urteil in einem Satz: Eine der günstigsten Visa-Karten mit Jahresgebühr in unserem Vergleich und ein Bonusprogramm, das über die Kontogutschrift real, aber knapp ist; die ehrlichen Schwächen: keine Versicherung in irgendeiner Form, ein Punktewert, den nur eine Drittquelle beziffert, und eine Herausgeberin mit einem der schwächsten Vertrauenswerte im ganzen Vergleich.
Bonus Card Erfahrungen: dünn im Netz, aber deutlich im Ton
Zu genau diesem Kartenprodukt gibt es im Schweizer Netz wenig, und das Wenige ist auffallend zweigeteilt: ein nüchterner Preisbeleg, ein scharfes Kundendiensturteil. Reddit liefert zur Classic praktisch nichts, die Firma ist im Vergleich zu Cembra, Cornèrcard oder Swisscard eine Nische. Ergiebiger ist das moneyland.ch-Forum, wo ein einzelner Thread beide Seiten trägt.
"Grüezi Bonuscard mit Sitz in Oerlikon gibt vor allem drei Kreditkarten heraus: Classic, Gold, Exclusive. Bis vor kurzem hatte Bonuscard eine Fast-Gratis-Karte mit attraktivem Pricing. Leider hat die Karte mittlerweile aufgeschlagen bzw. ist einer anderen Karte gewichen. Neu haben alle Karten eine Jahresgebühr. Die Classic kostet 48 Franken, die Goldkarte 144 Franken, die Exclusive 216 Franken. Freundliche Grüsse RM"
@Rene Müller im moneyland.ch-Forum, Thread «Bonuscard Kreditkarten Erfahrung», 7. Mai 2016 (via Wayback Machine, 18.
Januar 2026). Ein Forummitglied, kein Angestellter von moneyland, zählt alle drei aktuell gültigen Jahresgebühren exakt auf und nennt zugleich einen Vorläufer: eine fast gratis Karte, die eine Gebührenkarte abgelöst hat. Dass die BonusCard-Reihe heute durchgehend Gebühren verlangt, ist also keine neue Entwicklung, sondern schon 2016 dokumentiert.
Vier Jahre später, im selben Thread, schlägt der Ton um:
"Finger weg von dieser Firma, Karte ist viel zu teuer, schlechter Service. Musste mich 10 Mal beschweren, bis die Kündigung durch war. Hauen die Karten raus wie Lotterie-Lose. Habe sie alle zerschnitten."
@ricksteven im moneyland.ch-Forum, Thread «Bonuscard Kreditkarten Erfahrung», 19. Juni 2020 (via Wayback Machine, 18.
Januar 2026). Der Kern der Beschwerde ist der Kündigungsweg, zehn Anläufe, bis das Konto tatsächlich geschlossen war, dazu das Bild einer Firma, die Karten «wie Lotterie-Lose» ausgibt. Diese eine, frei im Netz gefundene Stimme trägt denselben Ton wie die 1.7 von 5 auf Trustpilot, gestützt auf 55 Bewertungen (Stand 9. Oktober 2026); die App MyOnlineServices im App Store liegt mit 2.82 von 5 (105 Bewertungen) ähnlich tief. Beide Werte zusammen ergeben die Teilnote «Stimmen im Netz» von 2.1, geteilt mit den Schwesterkarten Gold und Exclusive sowie der LibertyCard-Reihe und Simply Card Smart. Die Aufschlüsselung der App-Bewertung steht im Abschnitt Die App des Herausgebers in Zahlen.
Was ist ein BonusCard-Punkt wert? Der Kurs, den nur eine Drittquelle nennt
Das Bonusprogramm ist grosszügig angelegt: 1 Punkt pro 5 Franken Umsatz, praktisch auf jeden Karteneinsatz, nicht bloss bei einem einzigen Partner. Eingelöst werden die Punkte im herausgebereigenen Prämienshop bei über 100 Partnern, wörtlich «gegen Geschenkgutscheine, Spenden oder Vielfliegermeilen», und laut Produktseite ist «auch eine Geldgutschrift auf Ihr Konto ... möglich» (bonuscard.ch, gelesen am 17. Juli 2026). Diese Kontogutschrift zählt unsere Bewertung als frei realisierbar, weil sie an keinen Händler gebunden ist. Ergänzt wird das Programm durch MyCountry: Du wählst vor der Reise dein Ferienland in der App und punktest doppelt.
Die Lücke sitzt beim Kurs. Weder Produktseite noch Leistungsübersicht noch AGB nennen, wie viele Franken ein Punkt bei der Kontogutschrift wert ist. Diesen Kurs liefert erst eine Drittquelle: moneyland.ch, in seiner Übersicht «Swiss Credit Card Reward Programs», beziffert die Kontogutschrift auf 100 Punkte gleich 50 Rappen, die günstigste Geschenkkarten-Variante auf 100 Punkte gleich 20 Rappen für Nichtpartner-Einkäufe. Das ist eine externe Berechnung, kein Wert aus dem eigenen Preisblatt von BonusCard, und genau deshalb muss die Quelle offen genannt werden.
In Franken heisst der Kontogutschrift-Kurs: 1 Punkt pro 5 Franken, davon 100 Punkte gleich 50 Rappen, ergibt eine effektive Rückvergütung von 0.1 Prozent auf den gesamten Umsatz. Beim Referenzbudget dieser Seite, 2’000 Franken Kartenumsatz im Monat, sind das 24’000 Franken im Jahr und damit 4’800 Punkte, macht rund 24 Franken gutgeschriebenes Geld. Dagegen steht die Jahresgebühr von 48 Franken: Unter dem Strich bleibt ein Minus von rund 24 Franken, bevor der Fremdwährungsanteil überhaupt eingerechnet ist. Genau dieses Minus ist der Grund, warum die Teilnote «Bonuswert» trotz eines belegten, frei einlösbaren Rückvergütungswegs nur bei 2.9 liegt. Die teurere Geschenkkarten-Variante bei ausgewählten Partnern wird nicht zusätzlich angerechnet: Eine gebundene Einlösung bekommt nie mehr Wert als der freie Weg.
Keine Versicherung, auch nicht gegen Aufpreis
Hier liegt der zweite Grund für die schwache Note, und er ist bei der Classic ungewöhnlich klar. Die Übersichtsseite von BonusCard zu Reiseversicherungen listet Annullierung, Reiseabbruch, Assistance, Reise-Rechtsschutz, Such- und Bergungskosten sowie eine Selbstbehaltsdeckung bei Mietfahrzeugen, hält aber fest: Kostenlos inbegriffen sind diese Leistungen «mit Bonus Card Gold und Exclusive», nicht mit der Classic (bonuscard.ch/de/leistungen/reise-versicherungen, gelesen am 13. Juli 2026). Dieselbe Aufteilung gilt beim Kaufschutz: Shopping-Rechtsschutz und Bestpreis-Garantie sind laut der Shopping-Versicherungsübersicht «kostenlos inbegriffen mit Bonus Card Gold, Bonus Card Exclusive», ebenfalls ohne die Classic. Für die Classic bleibt beides eine reine Lücke, nicht einmal als Zusatzprodukt buchbar. Wer die Karte nach der Gold- oder Exclusive-Werbung beurteilt und einen Grundschutz vermutet, irrt sich, und genau diesen Fehlschluss nennt die Datenlage die naheliegendste Falle bei diesem Kartenprodukt.
Was es stattdessen gibt, sind kostenpflichtige Zusatzleistungen in der MyOnlineServices App: eine Cyberversicherung, eine Saldo-Versicherung bei Arbeitslosigkeit oder Erwerbsunfähigkeit, und ein Verlustschutz bei Diebstahl oder Missbrauch der Karte. Alle drei sind ausdrücklich «kostenpflichtig» (bonuscard.ch, gelesen am 17. Juli 2026) und fliessen darum nicht als Basisschutz in die Schutznote ein. Davon zu unterscheiden ist die kostenlose Help Line 24h zum Sperren einer verlorenen Karte, ein operativer Service, keine Versicherung gegen den entstandenen Schaden. Der Versicherungsblock weiter unten zeigt die Schutznote 1.2 schwarz auf weiss, das Niveau einer Karte ganz ohne inkludierte Versicherung, geteilt mit mehreren anderen Karten im Vergleich.
Gebühren: 12 Prozent Zins, eine separate 10.9-Prozent-Ratenzahlung und das Bargeld
Zahlst du die Monatsrechnung vollständig und fristgerecht, kostet dich die Classic ausser der Jahresgebühr nichts. Die Zahlungsfrist beträgt 25 Tage ab Rechnungsdatum, keine zinsfreie Zeit ab jedem einzelnen Kauf, die das Preisblatt nicht separat ausweist. Alle Zahlen dieses Abschnitts stehen gebündelt in den Kartendaten weiter unten, drei davon verdienen einen eigenen Satz.
Erstens der Zins bei Teilzahlung: 12 Prozent Jahreszins auf den offenen Saldo, der gesetzliche Höchstsatz nach dem Konsumkreditgesetz. Laut Produktseite genügt eine Mindestzahlung von 50 Franken oder 2.5 Prozent des offenen Saldos (bonuscard.ch, gelesen am 17. Juli 2026); den effektiven Jahreszins, also die gesetzlich vorgeschriebene Vergleichszahl über alle Kreditkosten hinweg, weist die Leistungsübersicht nirgends separat aus.
Zweitens eine Besonderheit, die kein anderes bisher getestetes Kartenprodukt dieser Seite zeigt: Neben der gewöhnlichen Teilzahlung bietet BonusCard für einzelne Einkäufe eine separate Ratenzahlungsoption an, ein Kauf-jetzt-zahl-später-Modell, zu 10.9 Prozent Jahreszins, unter dem allgemeinen Satz.
Drittens das Bargeld: Ein Bezug kostet 4 Prozent, mindestens 10 Franken am Geldausgabeautomaten und 15 Franken am Bankschalter, im In- wie im Ausland; Lotto-, Wett- und Casinoumsätze zählen laut Leistungsübersicht ebenfalls als Bargeldbezug. Fremdwährungskäufe kosten 2 Prozent; beim Referenzbudget dieser Seite macht das rund 72 Franken im Jahr aus, ohne dass für diese Karte eine unabhängige Kursmessung vorläge.
Die SSV-Geschichte 2021: was sie über den Herausgeber sagt, nicht über die Classic
Ein zweites Kapitel gehört zur Herausgeberin, nicht zur Classic selbst. 2021 verschickte BonusCard/Cornèr Bank an alle lizenzierten Mitglieder des Schweizerischen Schiesssportverbands (SSV) eine neue Vereinslizenz, die zugleich eine echte Visa-Kreditkarte war, im Opt-out- statt im Opt-in-Verfahren: Wer sie nicht wollte, musste aktiv widersprechen, statt vorher zuzustimmen. Das Produkt ist ein eigenes, co-branded Kartenprodukt für SSV-Mitglieder, nicht die Bonus Card Classic; die Vertragsbedingungen der Classic ändert diese Geschichte nicht. Sie zeigt aber, wie dieselbe Herausgeberin mit Zustimmung und Kundenkommunikation umgeht, Kontext für einen Vertrauenswert wie die tiefe Trustpilot-Note.
Im entsprechenden Reddit-Thread beschrieb ein Nutzer das konkrete Sicherheitsrisiko:
"Yes but then you still hand "your" credit card out to multiple strangers each time you go to a competition. Said license card, now doubling as a CC, which often gets forgotten on tables and benches during Schützenfest and whatnot"
Auf Deutsch: Die Lizenzkarte, jetzt zugleich eine Kreditkarte, werde bei Wettkämpfen routinemässig an fremde Personen weitergereicht und bleibe oft auf Tischen und Bänken liegen. Ein weiterer Nutzer im selben Thread zitierte die eigene FAQ des Herausgebers und fand darin, dass sich die ungewollte Zahlfunktion nur automatisch nach sechs Monaten Nichtnutzung abschaltet, nie sofort auf Wunsch bei der Ausgabe: für ihn schlicht eine «frechheit».
Am ausführlichsten fasste ein dritter Nutzer die Kritik zusammen:
"Sooo... Any comment on why
SSV needs to make its licence a credit card in the first place
for which I haven't even signed a contract (my contract is the licence with SSV, I do not have any signed paperwork with Cornèr Bank AG)
which is opt-out instead of opt-in
[...]
and has its CC details printed on a card you're supposed to hand over to some stranger regularly, making this card a laughably stupid security risk
SSV apparently sells its member's financial data to third parties"
@That_Squidward_feel bei Reddit r/Switzerland, Thread «PSA (possible CC fraud risk): New Swiss shooting licence is also a Visa credit card!», 30. Mai 2021.
Auf Deutsch: kein unterschriebener Vertrag, Opt-out statt Opt-in, ein physisches Sicherheitsrisiko, weil die Kartendaten auf einem Ausweis stehen, den man regelmässig Fremden zeigt, und zuletzt ein unbestätigter Vorwurf zum Datenverkauf, den wir nicht prüfen konnten: die ausführlichste Einzelkritik in der ganzen Suche. Für die Bonus Card Classic ändert diese Geschichte keine Zeile der Vertragsbedingungen; sie erklärt aber, warum das Vertrauen in die Herausgeberin angeschlagen ist, unabhängig davon, welches Kartenprodukt du tatsächlich hältst.
Bonus Card Classic, Gold und Exclusive: dieselbe Familie, drei Preisstufen
Die Classic ist die Einstiegsstufe eines Trios. Bonus Card Gold (144 Franken) und Bonus Card Exclusive (216 Franken) bringen die eingebaute Reise- und Kaufschutzversicherung mit, die der Classic fehlt, dazu Punktmultiplikatoren von 2x bis 5x bei benannten Partnern wie Migros, Coop, Denner, Aldi und Lidl, ausdrücklich nur für Gold- oder Exclusive-Inhaber. Getestet sind diese beiden Karten auf dieser Seite noch nicht; der Aufpreis kompensiert vor allem den fehlenden Schutz der Classic, nicht ein höheres Bonusprogramm für den Alltagseinkauf.
Zum Netzwerk eine offene Frage: Der Seitentitel der Produktseite nennt «Visa/Mastercard Bonus Card Classic Kreditkarte», die Kartendaten dieser Seite führen jedoch nur Visa, weil weder Leistungsübersicht noch AGB eine Wahlmöglichkeit für die Classic bestätigen. Anders die Cornèrcard Classic desselben Konzerns: Dort wählst du bei der Bestellung ausdrücklich zwischen Visa und Mastercard.
Hol dir die Karte nicht, wenn du ...
- ... eine Reiseversicherung erwartest. Sie fehlt komplett, auch nicht als kostenpflichtiges Zusatzprodukt; Gold und Exclusive haben sie eingebaut.
- ... deinen Bonus vorab in Franken kennen willst. Den Kontogutschrift-Kurs nennt allein eine Drittquelle, moneyland.ch, nicht das eigene Preisblatt.
- ... regelmässig im Ausland zahlst oder dort Bargeld beziehst. 2 Prozent Fremdwährungsgebühr, dazu 4 Prozent auf jeden Bargeldbezug, mindestens CHF 10 respektive CHF 15.
- ... Wert auf eine vertrauenswürdige Herausgeberin legst. Trustpilot 1.7 von 5, dazu eine dokumentierte Kündigung, die zehn Anläufe brauchte.
- ... deinen Saldo häufiger stehen lässt statt ihn voll zu begleichen. Der Zins liegt bei 12 Prozent und übersteigt jeden möglichen Punktegewinn um ein Mehrfaches.
Hol dir die Karte, wenn du ...
- ... eine einfache, günstige Visa mit kleinem, aber echtem Bonus willst und die Kontogutschrift als Einlösungsweg wählst, nicht einen bestimmten Partner.
- ... breit sammeln willst statt an einen Händler gebunden zu sein. Über 100 Partner stehen offen, plus MyCountry für doppelte Punkte im Ausland.
- ... die günstigste Einstiegsstufe im Bonus-Card-Trio suchst und auf die Reiseversicherung und die Partnermultiplikatoren von Gold und Exclusive verzichten kannst.
- ... jede Rechnung pünktlich per Lastschrift oder Einzahlung begleichst. Dann bleibt die Karte tatsächlich bei CHF 48 im Jahr, ohne Zins und ohne Verzugsgebühr.
Bonus Card Classic beantragen: Ablauf und was BonusCard nicht sagt
Beantragen kannst du die Karte online über bonuscard.ch. Weder zum Mindestalter noch zu einer Einkommensschwelle findet sich in den gelesenen Unterlagen eine Zahl; ob du die Karte bekommst, hängt an der Bonitätsprüfung, der gesetzlich verlangten Prüfung deiner Kreditfähigkeit. Die Karte bleibt insofern weniger transparent als manche Konkurrentin mit einer Mindesteinkommenszahl.
Verwaltet wird die Karte über die MyOnlineServices App und das gleichnamige Webportal, beide mit Echtzeit-Kontostand und PDF-Monatsauszug, dazu Mobile Payment und 3-D Secure («Visa Secure») für Online-Zahlungen. Wer den 12-Prozent-Zins nie sehen will, begleicht die Monatsrechnung vollständig, am einfachsten per Dauerauftrag oder Lastschrift.
Roberts Urteil
Mein Urteil: Die Bonus Card Classic ist keine schlecht gemachte Karte, sie ist eine unvollständige. Für 48 Franken im Jahr bekommst du eine weltweit akzeptierte Visa mit einem Bonusprogramm, das auf fast jeden Franken Umsatz punktet und sich über die Kontogutschrift tatsächlich in Geld verwandeln lässt, wenn auch zu einem Kurs, den ausgerechnet nicht der Herausgeber selbst nennt. Das allein wäre eine ordentliche, unauffällige Karte. Zwei Dinge ziehen die Note auf 2.7. Erstens fehlt jede Versicherung restlos, in einer Preisklasse, in der andere Herausgeber wenigstens ein kostenpflichtiges Zusatzprodukt anbieten. Zweitens, und das wiegt schwerer: BonusCard.ch ist im Netz eine der am schwächsten bewerteten Herausgeberinnen im Vergleich, und die eine belastbare Forenstimme zum Kundendienst bestätigt dieses Bild. Die SSV-Geschichte von 2021 rechne ich der Classic nicht direkt an, ein anderes Produkt, ein anderer Vertrag, aber sie gehört in dieselbe Vertrauensrechnung wie die Trustpilot-Note. Nimm die Classic, wenn dir der tiefe Preis reicht, du die Kontogutschrift wählst und jede Rechnung pünktlich zahlst. Willst du Reiseschutz oder Kaufschutz eingebaut, wechsle zu Gold oder Exclusive, oder sieh dich bei einem Herausgeber mit besserem Ruf um.
Häufige Fragen
Was kostet die Bonus Card Classic? Die Jahresgebühr beträgt 48 Franken für die Hauptkarte und 24 Franken für eine Zusatzkarte. Zusätzliche Kosten entstehen nur bei Bargeldbezug, Fremdwährungseinsatz oder Teilzahlung.
Was sind die Bonuspunkte der Bonus Card Classic wert? Das eigene Preisblatt nennt keinen Frankenkurs. Laut moneyland.ch, einer unabhängigen Drittquelle, entspricht die Kontogutschrift 100 Punkten gleich 50 Rappen, macht bei 1 Punkt pro 5 Franken Umsatz eine effektive Rückvergütung von 0.1 Prozent. Beim Referenzbudget dieser Seite bleibt nach Abzug der Jahresgebühr ein Minus von rund 24 Franken im Jahr.
Warum steht BonusCard.ch auf Trustpilot bei nur 1.7 von 5? Eine belastbare Forenstimme liefert eine Erklärung: Ein Nutzer berichtet von zehn Beschwerden, bis eine Kündigung durchgesetzt war. Die App MyOnlineServices liegt mit 2.82 im App Store ähnlich tief.
Was hat die SSV-Kreditkarten-Geschichte von 2021 mit der Bonus Card Classic zu tun? Direkt nichts. BonusCard/Cornèr Bank verschickte 2021 an Mitglieder des Schweizerischen Schiesssportverbands ein anderes Kartenprodukt im Opt-out-Verfahren. Die Vertragsbedingungen der Classic ändert das nicht, es zeigt aber, wie die Herausgeberin mit Kundenzustimmung umgegangen ist.
Bonus Card Classic oder Gold beziehungsweise Exclusive, was lohnt sich? Wer Reiseversicherung und Kaufschutz will, greift zu Gold (144 Franken) oder Exclusive (216 Franken), die auch Punktmultiplikatoren bei Migros, Coop, Denner, Aldi und Lidl mitbringen. Wer nur eine günstige Visa mit kleinem Bonus sucht und Schutz woanders löst, bleibt bei der Classic. Eigene Tests zu Gold und Exclusive folgen.
Hat die Bonus Card Classic eine Reiseversicherung? Nein, in keiner Form, auch nicht gegen Aufpreis. Kostenpflichtig buchbar sind lediglich eine Cyberversicherung, eine Saldo-Versicherung bei Arbeitslosigkeit oder Erwerbsunfähigkeit und ein Verlustschutz bei Diebstahl, keines davon ersetzt eine Reise- oder Kaufschutzversicherung.
Alternativen zur Bonus Card Classic
Suchst du dieselbe Netzwerk-Flexibilität, liegt die Cornèrcard Classic desselben Konzerns nahe: Dort bestimmst du bei der Bestellung, ob Visa oder Mastercard auf der Karte steht, und bekommst einen stärkeren Einkaufs- und Rechtsschutz, allerdings für 100 Franken im Jahr. Geht es dir um einen gebührenfreien Nebenweg, bietet die swisscard Credit Card 0 Franken Jahresgebühr und keine separate Fremdwährungsgebühr, dafür ganz ohne Bonusprogramm. Und die poinz Visa, das zweite Bein des poinz-Duos, kostet ebenfalls 0 Franken und gibt 0.25 Prozent Cashback auf jeden Kauf, muss aber zusammen mit der poinz American Express beantragt werden. Keine der drei ersetzt die fehlende Versicherung der Bonus Card Classic, sie verschieben nur, wo du für Preis, Netzwerk oder Schutz zahlst.
Die App des Herausgebers in Zahlen
105 Bewertungen auf App Store, gelesen am 9. Oktober 2026.
Was die Versicherung wirklich deckt
Keine Versicherung enthalten
Beschwerden und Aufsicht
Cornèr Banca (inkl. BonusCard und PKZ Insider Card)
Fälle beim Bankenombudsman
Ein einzelner Fall bedeutet nicht, dass der betroffene Kartenherausgeber sich etwas hat zuschulden kommen lassen. Der Schweizerische Bankenombudsman veröffentlicht ausschliesslich Zahlen für die ganze Branche, nie für einzelne Anbieter.
- 2024136 Fälle in der Branche
- 2025120 Fälle in der Branche
Zahlen gelten für die ganze Branche, nicht für Cornèr Banca (inkl. BonusCard und PKZ Insider Card) allein. Quellen: Jahresbericht 2024 und Jahresbericht 2025 des Bankenombudsman
Bei der Aufsicht
Steht auf der Mitgliederliste der Schweizerischen Bankiervereinigung und ist damit vom Mandat des Schweizerischen Bankenombudsman erfasst. Die eigenen Kreditkarten AGB nennen die Ombudsstelle nicht direkt. Beleg, gelesen 13. Juli 2026
Bedingungshistorie
- 30. November 2026Angekündigt: Ab 30. November 2026 ersetzt Cashback die Bonuspunkte, 0.3% auf Käufe in Franken und 0.6% in Fremdwährung; feste Multiplikatoren entfallen. Bestehende Punkte lassen sich bis 25. November 2026 im Prämienshop einlösen, Restpunkte werden danach als Cashback gutgeschrieben (100 Punkte = CHF 1).
Datierte Änderungen beim Herausgeber, aus unserer Kartendatenbank. Alle Bedingungsänderungen für Bonus Card Classic
Das Datum wird gesetzt, wenn die Bedingungen zuletzt direkt beim Herausgeber gelesen wurden.
